Liebe Mellifera-Freunde, hier mein kleiner Bericht von der Tagung:
Ich hatte mit Hr. Tiesler (Zuchtbeirat im DIB) vereinbart dass ich Samstag anreise, er hatte allerdings Freitag verstanden. War leider ein Missverständnis, aber fürs erste Treffen erstmal nicht so schlimm. Auf jedenfall wurde ich sehr freundlich begrüßt, auch gleich von Peter Maske der auch anwesend war. Er erkundigte sich wie es denn der Mellifera “so geht” und dass wir doch sicher nicht mehr als 100 Völker in Deutschland haben. Ich habe mich dann mit ihm kurz unterhalten und erzählt dass es gewiss mehr als 100 Völker sind und wir auch eine grössere Anzahl von Mitgliedern haben, Tendenz stark steigend. Er meinte dann noch “Naja, wenn wir vor 60 Jahren anders gehandelt hätten wäre die Dunkle Biene sicherlich so gut wie heute die Carnica.
Er war dann auch schnell wieder weg und so begannen die Vorträge. Interessant war vor allem der Vortrag von Fr. Heidinger die eine Untersuchung zur Drohnensicherheit auf Belegstellen durchführte. Fazit: Sind in der Nähe einer Belegstelle (4km) ca. 10 Völker, lässt sich durch das aufstellen von 80 Drohnenvölkern eine nahezu 100%ige Begattungssicherheit herstellen da Drohnen offenbar dann verdrängt werden. Fand ich interessant, gerade für unsere belange.
Professor Bienefeld berichtete über die Kalkbrut. Ich machs kurz, die Zucht geht halt Richtung Sanfmut und Honigleistung, da hat sich bei der Kalkbrut nicht viel getan. Positive Ergebnisse lassen sich aus der Zucht erst seit der Selektierung Richtung Varroatolleranz ableiten, da die Bienen hier früher erkrankte Brut ausräumen.
Dr. Ralph Büchler berichtete über Colloss, des Varroatolleranzprojektes. Alle Bienen haben im Schnitt gleich gut (oder schlecht) abgeschnitten, lediglich eine Unterart aus Griechenland (wars glaub ich) schnitt überdurchschnittlich gut ab, hier wird weiter untersucht wenngleich das Projekt 2012 abgeschlossen wird.
Prof. Bienefeld wollte in einem weiteren Projekt feststellen, ob Arbeiterinnen eher die Eier zu Königinnen großziehen, mit denen sie näher verwandt sind. Antwort: nein. Aber es konnte eine signifikante Abhängigkeit von der Größe des Eis abgeleitet werden, d.h. große und schwere Eier werden eher zur Königin herangezogen. Interessant war auch, dass erstmals nachgewiesen wurde dass einzelne Arbeiterinnen an einem Brutrahmen um ein Ei durch Sterzeln werben, es gab hierzu einen Film. Je mehr Arbeitrinnen dann an diesem Ei sterzeln, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit dass dieses dann gepflegt wird.
Ein in Bayern lebender Russe berichtete recht euphorisch von den Vorzügen der Carnica die jetzt massenhaft nach Russland exportiert wird. Hier gab es durchaus kritische Reaktionen die darauf hinwiesen, dass eine Verdrängung der einheimischen Biene wie bei uns nicht mehr vorkommen dürfe und man die einheimische Biene schützen sollte.
Ich selbst durfte leider nix vortragen da es einen straffen Zeitplan gab, aber ich konnte mich mit einigen interessanten Gästen unterhalten, z.B Dr. Ralph Büchler. Der kam nach den Vorträgen gleich zu mir und es ergab sich eine freundliche Unterhaltung. Wir saßen dann zusammen am Mittagstisch, mit dabei auch der stellvertretende Leiter von Veitshöchheim Dr. Berg. Ich habe ihnen von unseren IGs erzählt, von der geplanten Zuchtarbeit und auch von meiner Belegstelle. Er findet es „zu gut“ was wir machen und fürchtet die Hybridisierung und Ärger mit Carnicaimkern, meinte aber „das müssen wir halt jetzt auf uns zukommen lassen.“
Dr. Büchler fand die Idee mit der Belegstelle gut und wünschte mir dann noch, dass sich hieraus vielleicht ein geschütztes Habitat ergäbe, denn es wäre „sehr wichtig“ dass die Mellifera rein erhalten bliebe. Ich habe mit beiden vereinbart in Kontakt zu bleiben. Wir wollen auch prüfen, ob über Kirchhain ein günstiger DNA-Test möglich ist.
Mit Frau Ingrig Müller (Merkmalsdatenbank) konnte ich auch noch ein paar Worte wechseln, ich habe eine CD mitbekommen, muss ich mir mal ansehen.
Ganz am Ende hab ich mit Peter Maske noch vereinbart die Zusammenarbeit fortzusetzen, er endet mit dem Satz „Wir schließen niemanden aus“.
Mein Eindruck: Die meisten waren überrascht wieviele wir sind und was wir für einen starken Zuwachs haben, damit haben sie nicht gerechnet. Ich hatte nicht den Eindruck dass ich unwillkommen war oder nur Pro forma eingeladen wurde, es waren alle höflich und interessiert, wenn natürlich auch kritische Töne dabei waren. Keiner hat bezüglich der Sanftmut der reinen Mellifera Bedenken geäußert, wenn dann ging es um die Hybridisierung nach F1. Hier gilt es weiter anzusetzen, Erfahrungen zu sammeln und weiter den Dialog zu suchen.